Aus dem Archiv – Alltag in Glonn

Die Mietwaschküche

Am 24.Oktober 1953 wurde sie bestellt, am 20. November geliefert, per Bahnfracht an die Bahnstation Glonn, die Original Miele Trommelwaschmaschine Nr.108 für Kohlefeuerung mit Drehstrom 220/230 Volt für DM 2350,- sowie die Original Miele Wäsche Schleuder Größe 2 für 8 Kilogramm Wäsche für 905,-. Einige Tage später trafen auch die bestellten Bottiche ein.

Aufgestellt wurden diese Geräte in der neuen Mietwaschküche, die die Gemeinde im Feuerwehrhaus einrichtete und in dem die Hausfrau  für 2 DM pro Waschgang ihre Wäsche waschen konnten. Zur Aufsicht und Anleitung wurde Juliane Gruber eingestellt, die bis dahin eine Wäscherei in Glonn betrieb und deren Geschäft, wie sie in ihrer Bewerbung um die Stelle schrieb, nach Eröffnung der Mietwaschküche nicht mehr lohnend sein würde.  Eine Spende in Höhe von 1000 Mark von Max Lebsche, gedacht als “Grundstock für Werke der Volksgesundheit“ , hatte diese Einrichtung unter anderem möglich gemacht. Die Mietwaschküche bestand bis 1964. In den ersten Jahren wurde die Waschküche intensiv genutzt – so verzeichnet die Gemeindekasse im Jahr 1954 im Januar Einnahmen von 208,50. Bei einer Gebühr von  2 DM pro Wäsche, wie im Gemeinderat von Nov. 1953 beschlossen, sind das über 100 Maschinen, die gewaschen wurden.  Juliane Gruber erhielt zuerst 30%, später 40% dieser Einnahmen als “Entschädigung”. Es ist anzunehmen, dass die Waschküche  sehr stark von Vertriebenen, Flüchtlingen und Evakuierten  Neu-Glonnern genutzt wurde, die zum Teil in sehr beengten räumlichen Verhältnissen in Glonn leben mussten. Die Statistik verzeichnet im Jahre 1954 893 Vertriebene und Evakuierte und 1987 Einheimische. Die Bevölkerung war nicht nur in Glonn nach dem Krieg schlagartig um 35% gestiegen,  sondern in allen anderen Gemeinden des Landkreises. Die Wohnungsnot war also auch im  Jahre 1954 noch entsprechend groß, nicht selten lebten ganze Familien in einem Zimmer zur Untermiete. Die Anschaffung einer eigenen Waschmaschine erübrigte sich in den 50er Jahren für die allermeisten Bewohner Glonns, kostete doch eine Miele Waschmaschine für den Privathaushalt  bis zu 2000 DM. Der Stundenlohn der Mauer und Elektriker,  die beim Ausbau der Waschküche beschäftigt waren betrug im Jahre 1954 zwischen 1.80 und 2.80. Einige Rechnungen der beteiligten Handwerksbetriebe – alle heute noch in Glonn bekannt –  finden sie hier :

Rechnung Firma Landthaler
Rechnung Schreinerei Bredenhöller
Rechnung Jos.Altinger Elektro

Mit den Jahren nahmen die Nutzung und damit auch die Einnahmen der Waschküche immer mehr ab, während z.B. die Stromkosten für den Betrieb zunehmend stiegen. Das Wirtschaftswunder machte sich nun auch in Glonn bemerkbar, der Wohlstand stieg und auch der Wohnungsbau war vorangekommen. Die meisten Glonner lebten in ausreichendem Wohnraum und hatten Arbeit gefunden, man konnte sich wieder ein bisschen was leisten – unter anderem auch eine Waschmaschine.

Vielleicht erinnert sich ja der ein oder andere an die Waschküche im Feuerwehrhaus, hat dort selbst oder mit Mutter, Tante, oder Oma die Wäsche gewaschen, hat vielleicht sogar ein Bild… – ich freue mich über jede Erinnerung oder Anekdote: Rufen Sie mich einfach an oder schreiben Sie mir ein Mail, ich freue mich!