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“An der Feldkirchner Strasse” und “Grottenweg”

Nach der Inbetriebnahme der neuen Kläranlage konnten nun auch zwei bereits 1962/63 geplante neue Siedlungen genehmigt werden: „Am Grottenweg“ – heute Hochfeld und der erste Bauabschnitt der Mattenhofener Siedlung – damals: „An der Feldkirchner Straße“.

           
An der Feldkirchner Strasse 1967                                                      Grottenweg – Hochfeld 1961
Bilder: Archiv Markt Glonn/Luftbildverlag Bertram

Anfang 1963 beschließt die Gemeinde ein großes Areal zwischen Kastenseeoner Straße und Quellenstraße als Baugebiet auszuweisen – auf dem Areal das schon 1952 als Baugebiet „Waslerfeld“ geplant war.  Nach diversen Einsprüchen, mutmaßlich wegen der Hangbebauung, vor allem aber wegen der Wasserver- und Abwasserentsorgung, wird vom Gemeinderat am 9.12.1963 der von Bauunternehmer Landthaler eingereichte Teil-Bebauungsplan für 8 Einfamilienhäuser als Satzung erlassen, mit den Bedingungen, dass der Gemeinde durch die Erschließung keine Kosten entstehen und der Bebauungsplan nicht mehr erweitert werden dürfe. Unter dem Hinweis, dass alle Grundstücke bereits seit Jahren verkauft seien, bittet die Gemeinde im Juni 1964 das Landratsamt um Genehmigung zur Vermeidung unnötiger Härten. Zwei der Grundstücke sind zudem bereits seit Jahren bebaut.

Doch erst am 15.6.1965 wird der Bebauungsplan genehmigt, als klar ist, dass nach einer Übergangszeit der Anschluß an die inzwischen fertiggestellte Kanalisation und Kläranlage möglich ist. 1967 sind 3 Grundstücke bebaut.

Auch im 1. Abschnitt des Baugebietes an der Feldkirchner Straße – Mattenhofener Straße, Sudetenlandstraße und Schlesienstraße sind die Grundstücke bereits seit Jahren verkauft. Schon 1962 wird ein Münchner Architekt beauftragt das Genehmigungsverfahren einzuleiten und es wird auch bereits beschlossen die Erschließungsarbeiten an einen Münchner Bauträger zu vergeben.

Aber auch hier zieht sich die Genehmigung bis zur absehbaren Fertigstellung der Kläranlage und Kanalisation hin. Auch möchte das Landratsamt die Mattenhofener Straße auf 8,50 verbreitern, was die Gemeinde aber erfolgreich ablehnt mit der Begründung selbst die Staatsstraße sei nur 6,50 m breit.

Am 14.12.1965 können die Erschließungsarbeiten vergeben werden, die ersten Häuser stehen dann 1967.

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Happy Birthday Rathaus!

Vor 90 Jahren, am 27.9.1931 wurde das Rathaus der Marktgemeinde Glonn vom damaligen Bürgermeister Ludwig Mayer feierlich eingeweiht.

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27.9.1931 Foto: Sammlung Kulturverein/Archiv

Der Oberbayer schrieb dazu begeistert: „Ein Ehren- und Freudentag, an dem selbst der Himmel teilzunehmen schien, war der gestrige Sonntag für die Gemeinde Glonn. Glitzernde Sonnenstrahlen sandten nach wochenlanger, trostlosester Witterung ihre ersten Morgengrüße hernieder, als freuten sie sich mit uns an dem Werke, dessen Weihe und Eröffnung heute stattfinden sollte.“

Nach dem festlichen Gottesdienst und der Weihe versammelte sich die Bevölkerung vor dem Rathaus und lauschte dem Bürgermeister, dem Sängerchor der Turnerriege und den Festrednern, darunter auch Professor Lebsche. Danach erfolgte die Besichtigung der Räume, die laut Oberbayer  „einen allgemein überraschend guten Eindruck boten und von größter Peinlichkeit bei allen Arbeiten zeugten“. Besonders erwähnt wurden die „vornehmen Beleuchtungskörper im Sitzungssaal und Bürgermeisterzimmer, welcher letzterer ein Geschenk des Klosters vom Guten Hirten ist“, sowie die „zweckmäßige“ Raumaufteilung.

Schon seit dem 17. Jahrhundert stand an der Stelle des heutigen Rathauses ein Hof, wahrscheinlich als Zehenthof für die Abgaben an die Grundherrschaft genutzt. Im Jahre 1671 gelangte der Zehenthof oder auch Zehetmairhof (nach den Besitzern) durch Heirat in den Besitz von Adam Hölzl der bereits seit 1657 als Wirt von Glonn bezeichnet wird. Im Anwesen waren wahrscheinlich Bedienstete des Wirts untergebracht, ebenso waren dort wohl Lagerräume und Stallungen. Im Jahr 1793 gelangen der „Wirt“ und der dazugehörende Zehenthof wiederum durch Einheirat in den Besitz des Sigmund Wagner und bleiben von da an bis 1908 im Besitz der Familie Wagner.

Auf einer Postkarte, die um die Jahrhundertwende aufgenommen sein dürfte, sieht man im Hintergrund das schon damals so genannten Surauerhaus, links den Gastgarten der „Post“ mit den stattlichen Kastanien, rechts die „Post“.

um 1900 Foto: Sammlung Kulturverein

Im Jahr 1868 erhielt Alois Surauer aus Wasserburg in Glonn eine Conzession als Lebzelter, Kerzenzieher und Hutmacher und eröffnet als Mieter des Posthalters und Wirtes Wagner im Zehenthof ein Ladengeschäft. Außerdem ist Alois Surauer noch Postbote in Glonn. Als er 1891 stirbt, übernimmt seine Tochter Katharina das Geschäft als Lebzelterei und Huthandel. Die Witwe des Alois Surauer stirbt 1921, ihre Tochter Katharina im Jahr 1928 als ledige „Conditoreiinhaberin von Glonn“.

Das Geschäft der Familie Surauer ist in Glonn so präsent, dass das Haus seitdem den Namen Surauerhaus trägt.

Die Tochter des damaligen Stationskommandanten Michael Leib, Clara Leib *1877, erinnert sich anlässlich der 1200 Jahr Feier im Jahr 1974 an ihre Kindheit in Glonn:“…Auf der anderen Seite des Marktplatzes stand an der Friedhofsmauer angelehnt das Surauerhaus, dessen Auslagfenster für uns Kinder sehr wichtig waren, denn da gab es wohlschmeckende Lebkuchen, auch Gesundheitskuchen für Kindbetterinnen, Minzenkugeln, daneben glänzten in prächtigen Farben Kommunionskerzen und Wachsstöckl…“

1908 verkauft Wagner die Anwesen 20 (Wirt) und 23 (Surauerhaus) an Baron Büsing und zieht mit der Familie in die 1881 erbaute Posthalter Villa gegenüber. Büsing verkauft ab 1920 Teile seines Besitzes und über die Bayerische Siedlungsgesellschaft gelangt das Surauerhaus 1920 in den Besitz der Marktgemeinde Glonn, die es weiterhin an J.Steininger für 800 Mark verpachtet. Bereits 1921 gibt es Planungen, in das Surauerhaus Wohnungen zu einzubauen, Baumeister Landthaler zeichnet die Pläne, die auch genehmigt wurden, aber, wahrscheinlich als Folge von Inflation und Geldentwertung, nicht zur Ausführung kamen. In den folgenden Jahren verfällt das Haus zunehmend, die Stallungen werden als Lagerräume und als Garage für die ersten Autos, aber auch den Leichenwagen genutzt, aber es wohnen dort auch noch der Kaminkehrermeister, der Gemeindediener und die Katharina Surauer, die dort ein Wohnrecht auf Lebenszeit hat. Kurzzeitig gab es auch Verhandlungen mit der Oberpostdirektion, auf dem Gelände ein neues Postgebäude zu erbauen.

Surauerhaus kurz vor dem Abriss 1929          Foto: Sammlung Kulturverein

In den folgenden Jahren nehmen die Pläne der Gemeinde, ein Rathaus zu erbauen, immer mehr Gestalt an. Noch finden die Sitzungen des Gemeinderates in zwei Räumen mit ca.13qm im 1.Stock des Feuerwehrgerätehaus statt, innerhalb der Sekretärswohnung dort. Auch alle Akten, Protokollbücher und Personenstandsbücher wurden dort verwahrt. Bürgermeister Mayer schreibt im Januar 1931 im Gesuch um die Genehmigung zur Darlehensaufnahme an das Bezirksamt: „… Bei Parteiverkehr treten des öfteren unliebsame Störungen auf, denen nicht abgeholfen werden kann, solange die Büroräume nicht von der Wohnung getrennt werden. Bei Gemeinderatssitzungen können Zuhörer überhaupt nicht zugelassen werden, da nicht einmal für die Gemeinderäte genügend Platz vorhanden ist…“ Nun fand man, dass es an der Zeit war, für die Verwaltung der Gemeinde endlich eigene Räume zu schaffen. Ein Sitzungssaal, ein eigener Raum für den Bürgermeister, sowie ein Kanzleiraum für die Verwaltungsarbeit und eine Registratur für die Akten wurden geplant, dazu ein Warteraum für die Bürger und Toiletten.

Auch wollte man mit einem Neubau Wohnraum schaffen, um der herrschenden Wohnungsnot ein bisschen abzuhelfen. Vier Wohnungen sollten entstehen, dazu Platz für eine Apotheke, deren bisherige Räume auch nicht mehr den Vorschriften entsprachen. Zwei der Wohnungen waren für den Sekretär und den Apotheker gedacht.

Die Gemeinde rief dazu auf, Vorschläge für den Neubau eines Rathauses einzureichen; der von Baumeister Josef Braun eingereichte Vorschlag „Im schönen Glonntal“ wurde von der Gemeinde favorisiert.

Der Verein für Volkskunst und Volkskunde „hieß diesen Plan nicht gut“ wie Bürgermeister Mayer in seiner Ansprache sagt, und so musste die Planung noch einige Male überarbeitet werden.

Dies besorgen dann der Architekt Fleissner und das Baubüro Sommersberger. Hilfe bekommt die Gemeinde auch von Regierungsrat von Miller, einem Sohn des Erbauers des Deutschen Museums Oskar von Miller, der der Gemeinde auch zu einem günstigen Darlehen verhilft. Die Bauleitung wird dem Architekten Franz Sommersberger aus München übertragen.

Es folgen einige Bauplanänderungen mit Varianten, zum Beispiel die Ost-West Ausrichtung des ganzen Baus oder die Ausstattung mit Kuppeln und Erkern.

Am 12.1.1931 wird der Bauplan endlich behördlicherseits genehmigt, mit größeren Kanzleiräumen als vorgesehen.

Am 26.3.1931 wird auf Beschluss des Gemeinderates ein Bauausschuss zur „Erbauung eines Rathauses am Marktplatz in Glonn“ gegründet, dem folgende Mitglieder angehören:

1.Bürgermeister Mayer, Isidor Raig, Peter Wimmer, Josef Wagner und Georg Mittermüller. Der Ausschuss führt ein Protokollbuch, das die Planung und den Bau detailliert nachzeichnet, so auch die vielen Änderungswünsche, bzw. Änderungsanordnungen der verschiedenen Behörden und Amtsträger.

Die Ausschreibung der Handwerkerleistungen beginnt sofort und endet bereits Anfang Februar, einen Monat später ist der Bau bereits begonnen und . die Fertigstellung bereits auf Ende September terminiert, damit die Apotheke zum 1.10. einziehen kann. Auch die Eröffnung wird bereits auf den 27.9.1931 festgelegt! In nur 6 Monaten Bauzeit entstehen am Marktplatz nun 361 qm für Wohnungen, 52 qm für die Apotheke und 147 qm für das Rathaus.

Die geplante Bausumme von 84000 Mark wird kaum überschritten, die Gemeinde hat 45000 Mark an eigenen Mitteln und nimmt 40000 Mark Darlehen auf, unter anderem 10000 Mark vom Apotheker Zehelein, der mit seiner Apotheke ins Rathaus ziehen wird. Im Jahr 1960 ist zumindest das Darlehen an den Apotheker abbezahlt.

Die Apotheke nimmt einen großen Teil des Gebäudes ein und erstreckt sich von Keller bis Speicher als ein eigenes Haus im Gebäude mit Lager, Laboratorien, Verkaufsraum und Wohnung.

Postkarte um 1940

Die ersten Mieter im Rathaus zahlen pro Jahr etwa zwischen 50 und 60 Mark Miete monatlich, der Apotheker für Wohnung und Laden 120,-

Neben der Apotheke befindet sich ab 1945 bis 1964 viele Jahre die örtliche Hebamme im Rathaus, zeitweise auch eine Arztpraxis bzw. eine Zahnarztpraxis, alle praktizieren innerhalb ihrer privaten Wohnung.


Nach dem Umbau für die VG, 1978                    Das Rathaus wird für den Umbau völlig entkernt
Foto: Archiv Markt Glonn                                                                       Foto: Archiv Markt Glonn

Bis 1977 verändern sich die Räume des Rathausneubaus kaum, Mieter wechseln und Wohnungen werden umgestaltet, aber erst mit der Entstehung der Verwaltungsgemeinschaft Glonn muss das Rathaus umgebaut werden, um mehr Platz zu schaffen und dient seitdem nur noch der Verwaltung.

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Bilder Wetterling-Haslach-Forellenstraße

Alle Bilder: Gemeindearchiv Glonn/Luftbildverlag Betram
Bild 1: Ausschnitt Wetterling 1967
Bild 2: Ausschnitt Forellenstraße 1967
Bild 3: Glonn 1965 von Süden über Hecken
Bild 4: Ausschnitt aus Glonn 1965
Bild 5: Glonn 1961 von Nord-Ost über Zinneberg
Bild 6: Ausschnitt aus Glonn 1961

Wetterling – Haslach – Forellenstraße

Um 1960 war die Einwohnerzahl auf etwa 2880 gesunken – Flüchtlinge waren weitergezogen, dorthin, wo es Arbeit und Wohnung gab, Evakuierte konnten in ihre Wohnungen zurück – doch die Wohnungsnot, bzw. die Enge in den vorhandenen Wohnungen war immer noch groß. In den Vormerklisten für Wohnungssuchende in Glonn finden sich 1959 noch immer 47 Familien, mit insgesamt 156 Personen, darunter 47 Kinder unter 14, die eine Wohnung suchen, weil ihre Unterkunft nur behelfsmäßig, befristet, kalt, feucht, ohne Bad und für Familien zumeist viel zu klein ist. Nicht wenige leben schon seit einigen Jahren mit ihren Kindern in einem einzigen Zimmer ohne Bad und eigene Küche. 1961 sind es zwar nur  noch 44 Familien, aber immer noch 150 Personen, darunter 45 Kinder unter 14.

Doch der einsetzende Wirtschaftsaufschwung ermöglichte andererseits manchem schon wieder den Traum von der großzügigen Villa im Grünen. Der Eichenweg in Haslach, die Siedlung in Wetterling und auch ein Teil der Forellenstraße stehen für diese Entwicklung. Zu diesem Zeitpunkt galt als Grundlage der Bebauung noch immer der Wirtschaftsplan von 1952, in dem diese gewünschten Bauvorhaben aber nicht vorgesehen waren. Da in allen drei Baugebieten einige Grundstücke wohl bereits verkauft waren und weil man wegen der Zersiedelung und der Abwassersituation wahrscheinlich Schwierigkeiten bei der Genehmigung befürchtete, gab die Gemeinde dem Drängen des Landratsamtes, sich zum Wohnsiedlungsgebiet zu erklären erst nach, als die Bebauungsfähigkeit der Grundstücke, vor allem die des abgelegenen Baugebietes in Haslach, geklärt war. 1960 erfolgte dann aber doch sehr schnell die Erklärung zum Wohnsiedlungsgebiet, womit dann auch in Zukunft Erschließung und Nachfolgelasten eindeutig gesetzlich geregelt waren. Auch der Wirtschaftsplan von 1952 wurde nicht mehr verlängert und nicht zuletzt im Zuge der neuen Flächennutzungsplanung wurde deutlich, dass ohne den Bau einer gemeindeweiten Kanalisation mit Kläranlage dem Wachstum enge Grenzen gesetzt waren und vom Landratsamt auch gesetzt wurden. So blieben diese drei Siedlungen für eine Weile die letzten größeren Wohnbebauungen– nun beschäftigte sich die Gemeinde ab 1961 vorrangig mit der Planung, dem Bau und der Finanzierung der Ortskanalisation und der Kläranlage, die 1965 eingeweiht wurde.

Wetterling 1967 Bild:Archiv/Luftbildverlag Bertram

Forellenstraße 1967; Bild: Archiv/Luftbildverlag Betram

In Wetterling standen bereits seit Ende der 30er Jahre im Schießstättenweg einige kleinere Häuser, eigentlich die erste “Siedlung” in Glonn. Die “Bayerische Bauernsiedlung” hatte aus dem Verkauf des Gutes Herrmannsdorf Grundstücke erworben und verkaufte diese Ende der 30er Jahre an bauwillige “Siedler” zur “Neubildung des deutschen Bauerntums”.

Der neue Bebauungsplan sah nun allerdings eine Hangbebauung mit “Villen“ in Aussichtslage vor, genauso wie am Eichenweg in Glonn und im hinteren Teil der Forellenstraße. Da alle drei Hanglagen nur locker bebaut werden sollten, um nicht allzu sehr das Landschaftsbild zu beeinträchtigen, ergaben sich große Grundstücke, die natürlich auch entsprechende Preise hatten. Die entstehenden Bauplätze, 18 in Haslach, 13 in Wetterling und 14 im hinteren Teil der Forellenstraße waren weniger eine Möglichkeit für kinderreiche Familien aus Glonn oder Vertriebene ohne Vermögen zum eigenen Haus zu kommen, sondern entsprachen unter anderem auch ein bisschen dem Wunsch der Gemeinde, die eigene Attraktivität als Kleinzentrum und  die Bedeutung als „gehobenem“ ländlichem Wohnort vor den Toren Münchens zu stärken und so fanden sich unter den Bauwilligen auch viele besser situierte Akademiker z. B. aus München, die hier noch vergleichsweise günstig bauen konnten.

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Geppertsiedlung und Quellenstraße – Bilder

Bild 1: Die Quellenstrasse um 1960, im Vordergrund die heutige Münchner Strasse vor dem Ausbau noch ohne Bebauung rechts und links.
Bild 2: Mühl- und Keltenweg; oberhalb verläuft die Feldkirchner Straße, vor dem Ausbau, östlich davon noch keine Bebauung – Waldrand;
Bild 3: Luftbild von Osten mit Blick auf die Quellenstraße; im Vordergrund Lena Christ-Straße; über Gleise und Lokschuppen;

„Geppertsiedlung“ und „Mühlthal“

In den Jahren 1957 und 1958 wurden zwei weitere Siedlungen mit jeweils 13 Baugrundstücken genehmigt:

Die Siedlung an Mühl- und Keltenweg westlich der Feldkirchner Straße, die bis zur Straßenbenennung von 1959 nach einem der beteiligten Grundbesitzer „Geppert-Siedlung“ hieß und die Siedlung auf einem Grundstück der Elektrogenossenschaft Frauenreuth im Mühlthal, die heutige Quellenstraße.

Beide Siedlungen waren im Wirtschaftsplan von 1952 nicht verzeichnet oder geplant. Da die Gemeinde sich immer noch nicht zum “Wohnsiedlungsgebiet” erklärt hatte, auch wenn das Landratsamt jedes Jahr deutlicher darauf drängte, konnten diese relativ kleinen und relativ weit außerhalb der bestehenden Bebauung liegenden Siedlungen genehmigt werden. Die Erklärung zum “Wohnsiedlungsgebiet” hätte die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans mit nur daraus abzuleitenden Bebauungsgebieten zur Folge gehabt und der Spielraum der Gemeinde, Bauland auszuweisen, wäre geringer gewesen.

Als Einwand gegen die Aufstellung eines Flächennutzungsplanes galt der Gemeinde, dass die hohen Kosten der Planung nicht aufgebracht werden könnten – der unbedingt nötige Schulhausneubau im Jahre 1957 hatte die Finanzen der Gemeinde tatsächlich sehr erschöpft –   aber auch damit, dass viele Grundstücke schon  längst verkauft seien und man den Bauwilligen nicht zumuten könne noch länger zu warten oder gar Gefahr zu laufen, dass ihr Grundstück plötzlich nicht mehr in den Grenzen eines gültigen Bebauungsplanes liege.

Dies traf auf jedenfall auf die Grundstücke der Quellenstraße zu, die schon in den Jahren 1954 bis 1955 von der Elektrogenossenschaft Frauenreuth an Bauwillige verkauft worden waren. Damals betrug der Kaufpreis – aufgrund der Preisbindung für Grundstücke –  2 DM, auf den die Käufer noch einen freiwilligen Betrag von 3 DM zahlten, um ungefähr an den damals ortsüblichen Preis von 7-8 DM heranzukommen.

Die Einfahrt zur Quellenstraße war bei Baubeginn über den Balkhamer Weg hin geplant, die heutige Ein- und Ausfahrt war vor dem Ausbau der St 2079 nur ein schmaler Feldweg. Dieser Weg über Balkham wurde aber nie benutzt, zum einen weil er nicht ausgebaut werden konnte, da Grundstücke bereits verkauft waren, zum anderen weil er in “noch schlechterem Zustand” war als die Ausfahrt auf die Staatsstraße. Während das Straßenbauamt lang auf einen Ausbau des Balkhamer Weges drängte, da er Grundlage des Baugebietsausweisung gewesen sei, hielt die Gemeinde dagegen, dass Grundstücke nicht vorhanden, Kosten zu hoch und die Akzeptanz dieses Weges bei den Bewohnern der Quellenstraße nicht vorhanden wäre.

Erst  im Jahr 1965 einigte man sich pragmatisch und veränderte die Verkehrsführung und Beschilderung, um die Gefährlichkeit der Ausfahrt zu verringern.

 

 

Andere, im Wirtschaftsplan von 1952 geplanten Siedlungsgebiete, wie zum Beispiel das sehr große Areal am Hang oberhalb der Kastenseestraße konnten nicht realisiert werden, weil Besitzer zum Teil gar kein Interesse am Verkauf ihrer landwirtschaftlichen Grundstücke hatten, oder weil das Landratsamt schwerwiegende Bedenken wegen Wasserversorgung und Kanalisation hatte. So nutzte die Gemeinde für den dringend benötigten Wohnungsbau gerne die Angebote einzelner Grundstückbesitzer, zumal wenn sie sich so bereitwillig zu Übernahme von Straßenbau und Erschließungskosten verpflichten ließen, wie die Grundbesitzer Wilhelm Geppert und Josef Seidl.

“Geppertsiedlung” ca.1960                                                   Quellenstraße ca.1960      Bilder: F.Hintermaier/Archiv

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