Siedlungsbau in Glonn

 

Die Glonner Siedlungen

Teil1 : Die Zinneberger Siedlung  –  Erster Bauabschnitt 1949

Im Hintergrund links die ersten Häuser der Zinneberger Siedlung ca.1950 Bild: Franz Hintermaier/Archiv                                      hier gehts zur Vergrößerung

Von 1840 bis 1930 war Glonn relativ moderat um nur 400 Einwohner gewachsen.  (Einwohnerstatistik 1840 bis 1952). Wer hier lebte, arbeitete zumeist auch im Ort, in der eigenen Landwirtschaft oder dem eigenen Handwerksbetrieb. Tagelöhner, Gesellen, Dienstboten und landwirtschaftliche Arbeiter lebten zumeist im Haus des Dienstherrn, Mietverhältnisse waren oft mit Arbeitsverhältnissen verknüpft. Die Wohnungsnot der Städte war in Glonn kaum zu spüren.  Das änderte sich schlagartig, als bereits während des 2.Weltkrieges, durch den Zuzug von „Ausgebombten“ aus der Stadt, aber vor allem nach Ende des Krieges die Bevölkerung durch „Heimatvertriebene“ um fast 75% wuchs: aus 1605 Einwohner im Jahr 1933 wurden 2877 im Jahr 1946.

Wohnungsmangel und beengteste Wohnverhältnisse prägten auch in Glonn, wie in allen anderen Gemeinden des Landkreises die ersten Jahre nach dem Krieg.  Wenn auch viele der neuen Mitbürger nach und nach Arbeit und Auskommen in und um Glonn fanden, so gab es doch für Alt- und Neu-Glonner viel zu wenig Wohnraum. Daran konnte auch die strenge Wohnraumbewirtschaftung nichts ändern, nach deren Regeln ein Wohnraum mit 2 Personen belegt werden konnte und musste, nur Zimmer unter 10 qm und Küchen zählten nicht zum Wohnraum. Bei der Wohnraumzählung in Bayern im Dezember 1945 ergaben sich für Glonn 1769 Wohnräume, bei 2866 Menschen die in Glonn lebten. In diesen Wohnräumen waren zusätzlich zur einheimischen Bevölkerung 858 Flüchtlinge oder Evakuierte untergebracht. Ungefähr 300 Menschen lebten darüberhinaus in Gemeinschaftsunterkünften und Sammellagern, so z.B in der Turnhalle, dem Bahnhofsgebäude, im Gasthof Post, beim Huberwirt und in der Knabenschule. Vor allem die Belegung der Knabenschule bedurfte dringend einer Lösung, da 500 Schulkinder im Jahre 1946 in nur 2 freien Schulsälen unterrichtet werden mussten. Der Unterricht wurde in 6 Abteilungen durchgeführt, die täglich nur jeweils 2 Stunden Unterricht hatten.

Als ein Beispiel für die durchaus übliche Belegung von Wohnraum sei das Haus Nummer 6 ½  – heute Prof. Lebsche Strasse 22  – genannt: hier erhob die Gemeinde  im Januar 1947 Einspruch gegen die Beschlagnahme von einem der beiden Räume, die die Besitzerin und ihr 17 jähriger Sohn bewohnten; In dem Haus waren bereits 4 Familien mit insgesamt 14 Personen untergebracht waren und wie die Gemeinde  schrieb, sei  auch die Küche der Hausbesitzerin  viel zu klein, um ein Bett hineinzustellen auf dem der Sohn gegebebenfalls schlafen könnte.

Im April 1949 führte die Gemeinde noch einmal eine Wohnraumzählung durch – hier wurden nur die freien Wohnräume gezählt – daraus ergaben sich 46 Wohnräume, die meisten um die 15 qm gross, in der Regel ohne Heizmöglichkeit.

Auch wenn die Vorgaben der Militärregierung zur Registrierung und Belegung gewissenhaft befolgt wurden – auch weil die Sanktionen empfindlich waren –  und nahezu jeder Wohnraum wie vorgeschrieben belegt wurde, so war doch schon sehr bald ersichtlich, dass ohne vermehrte Neubauten die neuen Mitbürger nicht untergebracht werden konnten. Zu diesem Zwecke mussten Grundstücke gefunden, die zu erschwinglichen Preisen an Bauwillige abgegeben werden konnten. Da die Gemeinde nur Waldgrundstücke besaß, und in den Kassen kaum Geld für Neuankäufe war, versuchte man über Grundstückstausche an neue Siedlungsfläche zu gelangen.

Im Gemeinderat kam das Thema Siedlungen am 21.10.1948, vier Monate nach der Währungsreform, zum ersten Mal offiziell zur Sprache. Die Gemeinde überlegte, ein gemeindliches Waldgrundstück an der Straße nach Frauenreuth als Siedlungsgebiet auszuweisen,  die  Gemeinderäte Wacht und Kranner wurden beauftragt, die Möglichkeit der Erschließung zu eruieren.

Am 16.12.1948 schenkten die Geschwister Max und Klara Lebsche der Gemeinde ein 3000 qm grosses Grundstück mit der Auflage Wohnraum zu schaffen; dieses Grundstück wurde von der Gemeinde im März 1949 verkauft, der Erlös von 1000,- floss in die Erschließung des neuen Baugebietes.

Am 11.1.1949 beschloß die Gemeinde dann, das Waldgrundstück an der Frauenreuther Strasse mit der Pfarrpfründestiftung zu tauschen, diese gab dafür ein Teilgrundstück an der Zinneberger Strasse – damit war der Standort der neuen Siedlung gewählt.

Im März beschloss der Gemeinderat ein Baugrundstück des neuen Siedlungsgebietes der Wohnungsgenossenschaft Ebersberg in Erbpacht zu überlassen,  um darauf ein Mehrfamilienhaus zu errichten, das nur an Glonner vermietet werden sollte. Im September 1949 wurde das Grundstück verkauft und Glonn trat der Wohnungsgenossenschaft mit einem Anteil bei.

Im Juli 1949 wurde der Bebauungsplan, den Baumeister Landthaler erstellt hatte, den Behörden vorgelegt und am 24. November verzeichnete das Gemeinderatsprotokoll bereits die ersten 6 Käufer der insgesamt 11 Parzellen zu einem Preis von 0,50 DM pro qm. Zusätzlich musste der Bewerber die Straßenbaukosten übernehmen, die ungefähr noch einmal die Hälfte des Kaufpreises betrugen, und sicherstellen, dass das neue Haus bis zum 1.1.1952 fertiggestellt wird, andernfalls das Grundstück an die Gemeinde zurückfallen würde.

Die Straßenbaukosten streckte die Gemeinde vor, und um die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten, erwarb die Gemeinde die Quelle in Ursprung und verlängerte die Trinkwasserversorgung von Herrmansdorf bis zur neuen Siedlung. Bereits 1950 standen 7 von 11 geplanten Häusern, davon ein 6-Familienhaus, das die Wohnbaugenossenschaft Ebersberg erbaute und an Glonner Familien vermietete. Am 24.8.1950 wurde beschlossen, dass die neuen Häuser die Hausnummern „Glonn Siedlung“ Hs Nr.1 bis 11 erhalten sollen.

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